Mit ihrer App “MyTaxi” wollen Niclaus Mewes und Sven Külper das Taxigeschäft revolutionieren. Setzen die beiden ihre Visionen um, bedeutet dies nicht weniger als das Aus für die herkömmlichen, großen Taxi-Rufzentralen. Doch erst einmal müssen sie lernen, was es heißt, sich als Startup mit der alteingessenen Konkurrenz anzulegen.

Kostenminimierung gibt es überall. Ob Anbieter von Versicherungen gegenüber einem Makler günstigere Tarife übers Internet anbieten oder ob Hersteller von Sesseln ihre Produkte mit der Kennzeichnung “direkt vom Hersteller” verkaufen und den Möbelhäusern Konkurrenz machen. Auch in der Taxibranche ist es somit kaum verwunderlich, dass ideenreiche Unternehmer Geld verdienen wollen, indem sie ein veraltetes Geschäftsmodell revolutionieren. So auch Niclaus Mewes und Sven Külper. Vor zwei Jahren brachten sie ihre App “MyTaxi” auf den Markt.

Taxi per Knopfdruck

Wer ein Taxi braucht, lädt sich einmalig die App auf das Smartphone oder besucht die Internetseite. Der Nutzer wird automatisch lokalisiert und findet eine Karte vor, auf der er die Taxis der Umgebung und ihre Fahrten in Echtzeit sieht. Per Knopfdruck kann ein Taxi bestellt werden, der Taxifahrer wird mit Bild, Name und Bewertungen der vorherigen Fahrgäste angezeigt. Die Anfahrt kann mitverfolgt werden.

Niclaus Mewes und Sven Külper

Für den Fahrer bietet die neue Software Vorteile. Eine Mitgliedschaft im Taxiverband Berlin kostet den Fahrer knapp 100,-, das alles ohne eine Garantie, Taxis vermittelt zu bekommen. MyTaxi kostet auch – 0,79 pro erfolgreich vermittelter Fahrt. Auch viel Geld für einen Taxifahrer, der in schlechten Monaten manchmal nicht über mehr als 400,- Monatsgehalt hinauskommt. Doch: Das Geld wird nur fällig, wenn MyTaxi auch eine Fahrt vermittelt. Das scheinen die Taxifahrer zu schätzen.

Wer vor einigen Jahren noch zum Telefon griff und ein Taxi bestellte, der zückt nun sein Smartphone, ruft die App “MyTaxi” auf und nach einigen Klicks und wenigen Minuten ist das Taxi vor Ort. Der brisante Unterschied liegt darin, dass die Vermittlung des Taxis direkt von Fahrgast zu Fahrer abläuft, nicht mehr über die Taxizentralen. Insgesamt wird es günstiger, schneller und transparenter.

Mewes und Külper haben Power. Es vergeht kein Monat, in dem nicht eine Erneuerung der App rausgeht. Manche nützlich, manche weniger. “Ab in den Urlaub! Verfolge meine Taxifahrt!”, schreibt ein Twitter-User. Warum? Das myTaxi-Team hatte wieder zugeschlagen und ermöglicht es jetzt allen Internetnutzern, wenn gewollt, die eigene Taxifahrt auf einer Landkarte mitzuverfolgen.

Die Zielgruppe sind Menschen, die noch gestern “Taxi! Taxi!?” schrien und an der Straße standen, während sie die vorbeifahrenden Taxis per Handzeichen zum Anhalten aufforderten, weil ein Anruf bei der Taxizentrale nur die Worte “Sie werden mit unserem nächsten freien Mitarbeiter verbunden” hervorbringt.

Selbstversuch

Es wird noch dauern bis sich eine oder mehrere Taxiapps flächendeckend durchsetzten. In Pinneberg war über die App kein Taxi zu bekommen, vom Universitätsgebäude Hamburg hingegen konnte man sich vor lauter Auswahl gar nicht entscheiden.

Etwas Mut gehört dazu einen Taxifahrer, den man nicht über die App bestellt hat, auf MyTaxi anzusprechen. Verallgemeinert gibt es eigentlich nur zwei Meinungen. Die eine, die MyTaxi großartig findet und die andere, die MyTaxi “eine Schande” nennt: “Die Zentralen werden bald Personal entlassen müssen.” Ob das die eigene Meinung der Taxifahrer ist oder die Aussage aus Angst vor Drohungen der Zentrale, wie in einigen großen deutschen Zeitungen berichtet wird, zustande kommt, ist ungewiss. Besonders genervt sind diese von einem ganz großem Namen: Daimler. Der Autobauer investierte zehn Millionen Euro in das Hamburger Startup und ermöglicht somit auch die schnelle Expansion ins Ausland. Barcelona und Wien sind bereits abgedeckt. Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass das nicht gut ankommt: “Seit Jahren baue ich mein Unternehmen auf und in uns hat keiner zehn Millionen Euro investiert”, so der Taxiunternehmer.

Die App in der Übersicht

Die Gründer aber sind zufrieden. Sie würden ihre Entscheidung von vor drei Jahren jederzeit wieder treffen. Eine Entscheidung, die nachts nach einem Discobesuch getroffen wurde, als beide in einer fremden Stadt unterwegs waren und kein freies Taxi zu finden war. “Das muss nicht so sein”, dachten sie sich. Drei Jahre später ist eine App auf dem Markt, allein in Hamburg sind 500 Taxifahrer angemeldet. Ob es die größe Taxi-App in Europa ist, weiß man nicht. Denn auch die Konkurrenz schläft nicht. Kaum hatten die großen Taxizentralen Wind von der Sache bekommen, antworteten sie mit ihrer eigenen App “taxi.eu”, mit dem Unterschied, dass sie nun auch die lokalen Taxizentralen einbinden. Nach eigenen Angaben sind sie Europas größtes Taxi-Bestellportal. Die Methoden, die angewandt wurden, um das zu erreichen, sind umstritten. Nach Recherchen eines Internetblogs könnten die Bewertungen der App im auf Webseiten und in Foren gefälscht sein. Auch darum müssen sich die beiden Gründer nun kümmern.

Einst waren es die Macher von MyTaxi, die anderen Angst machten. Mittlerweile ist es auch andersrum. Dass die Technik nie pausiert, zeigt nun ein neues Startup aus München. Über die App Colexio kann sich jeder ein Taxi teilen. Der Smartphone-Nutzer gibt sein Ziel an und die Software sucht Mitfahrer, die eine selbe oder ähnliche Strecke fahren. Die Fahrt wird billiger, zurzeit funktioniert die App ausgehend vom Flughafen München.

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