Der britische Naturforscher und Schriftsteller Francis Galton entschloss sich 1906 zu einem Experiment, um die Dummheit der Masse: Er besuchte eine Nutztiermesse, bei der es einen Ochsen-Gewicht-Schätzwettbewerb gab. Gegen eine Teilnahmegebühr von sechs Pence gaben insgesamt 787 Personen, unter ihnen sowohl Laien als auch einige Experten, ihren Tipp ab. Derjenige, dessen Schätzung dem tatsächlichen Gewicht des Ochsen am nächsten käme, sollte gewinnen.

Um die Ahnungslosigkeit der Menschenmenge zu beweisen, wertete Galton die knapp 800 Schätzungen statistisch aus und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Der Mittelwert aller Tipps kam dem Gewicht des Ochsen mit einer Abweichung von nur 0,8 Prozent erstaunlich nahe. Zudem war die beste Schätzung weiter von dem richtigen Gewicht entfernt, als der Durchschnitt aller Tipps.
Somit verfehle Galton sein eigentliches Ziel und wies stattdessen die Intelligenz der Masse, auch Schwarmintelligenz genannt, nach.

Mittelwert schlägt Einzeltipp

Dass dieses Ergebnis kein zufälliges Einzelphänomen ist, wurde in der Vergangenheit von vielen verschiedenen Forschern mehrfach bewiesen. Ein interessantes Beispiel ist das eines Marineoffiziers, welchem es 1968 gelang, ein verschollenes amerikanisches U-Boot anhand einer ungewöhnlichen Methode aufzuspüren: Nachdem Suchtrupps tagelang erfolglos den Grund des Atlantiks abgesucht hatten, rief der Offizier verschiedene Wissenschaftler zusammen und teilte ihnen die spärlichen Informationen zum Standort des Bootes mit. Jeder der Gelehrten gab nun seinen Tipp zur Position des U-Bootes ab. Der Mittelwert aller Schätzungen wich nur 200 Meter von den tatsächlichen Koordinaten des Ortes ab, wo das Boot gefunden wurde.

Ein ständigen Beweis für die sogenannte Schwarmintelligenz liefert uns zudem die Quizsendung „Wer wird Millionär?“. Hier liegt der Publikumsjoker nur selten daneben.
Anfang 2008 widmete Günther Jauch dem von Galton entdeckten Phänomen sogar eine Livesendung mit dem Titel „Die Weisheit der Vielen“. Hierbei wurden verschiedene Wissens- und Schätzfragen gestellt, die sowohl die Zuschauer zuhause als auch ein im Studio anwesender Experte zu dem jeweiligen Thema beantworteten. Am Ende der Sendung wurde das Ziel, die Intelligenz der Masse zu beweisen, jedoch verfehlt: Das Ergebnis zwischen Zuschauern und Experten war ausgeglichen.

Doch wie konnte das passieren, wo es doch bereits zahlreiche Studien gibt, die die Schwarmintelligenz beweisen?
Die Antwort ist einfach: Damit die Funktionsweise der Intelligenz der Masse nicht beeinträchtigt wird, müssen einige Gegebenheiten erfüllt werden: Es ist sehr wichtig, dass die Menschen sich nicht untereinander absprechen, denn nur, wenn die Meinung des Einzelnen nicht durch andere beeinflusst wird, gleichen sich die Unter- und Überschätzungen aus. Bei der von Günther Jauch moderierten Sendung war diese Vorraussetzung nicht gegeben, da die Zuschauer zuhause vor dem Fernseher die Möglichkeit zur Absprache untereinander hatten.

Sind wir alle zusammn klüger? C: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

Heute wird das enorme Potenzial des Wissens der Menge vor allem im Internet genutzt. Google, Wikipedia und viele weitere bauen schon länger auf das weit gefächerte Wissen von Amateuren, welches in der Masse genauer und schneller ist als das von einzelnen Experten. Zudem gibt es zahlreiche Online- Umfragen, die von dem Ausgang einer Präsidentschaftswahl bis hin zum Tippen der Oscar-Gewinner reichen.
Eine weitere Nutzungsmöglichkeit der kollektiven Intelligenz der Masse demonstriert die in Berlin-Kreuzberg ansässige Firma „Crowd Guru GmbH“, welche die Vielfältigkeit der Fähigkeiten und des Wissens der Masse nutzt: Der Geschäftsführer Phillip Hartje hatte die Idee, die Pflege von Datenbanken, Kategorisierungen und weitere Aufgaben, die für Unternehmen normalerweise sehr kompliziert und kostenspielig sind, von Menschen (sogenannten Gurus) zuhause erledigen zu lassen. Diese sind jedoch keines Falls Fachkräfte, sondern genauso vielfältig wie die Aufgaben der Firmen und Privatpersonen, die Mittlerweile zu den Klienten des jungen Unternehmens gehören: Sie reichen vom Verwalten von Datenbanken über individuelle kreative Schreibarbeiten bis hin zu verschiedensten Internetrecherchen. Durch die Vielfältigkeit der Masse die sie bearbeitet, können hier nahezu alle erdenklichen Aufgaben fachgerecht erledigt werden.

Guru werden kann praktisch jeder: Einfach auf der Homepage http://www.crowdguru.de/gurus/anmeldung/ registrieren und den Online-Test bearbeiten. Bei einem erfolgreichen Abschneiden, was in 70 Prozent der Fälle zutrifft, wird der Bewerber kontaktiert und hat anschließend die Möglichkeit Tag und Nacht an allen Tagen der Woche zu arbeiten, wobei Art und Anzahl der Projekte frei wählbar sind.
Dieses von der Firma „Crowd Guru“ angewandte Prinzip nennt sich Crowdsourcing, was sich wohl am ehesten mit Schwarmintelligenz übersetzen lässt. Hierbei werden die meist komplexen Projekte der Kunden von „Crowd Guru GmbH“ in viele Teilaufgaben zerlegt und über das Internet von vielen verschiedenen Personen, der „Crowd“ (engl.= Menge), parallel erledigt. Von dieser innovativen Arbeitsform profitieren alle Beteiligten: Die Arbeiter, häufig Studenten, Renter, Eltern in Elternzeit oder Arbeitslose, denen sich zuhause vor dem Computer eine schnelle und einfache Möglichkeit des Geldverdienstes bietet, die Kunden, deren Projekte schnell und preisgünstig bearbeitet werden und natürlich die Firma selbst, die von ihren Klienten bezahlt wird.

Dieses Beispiel zeigt, dass das Potenzial der Intelligenz der Masse noch lange nicht ausgenutzt ist und besonders dank des Internets eine vielversprechende Zukunft vor sich hat.

18 Kommentare

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