Die Theodor-Heuss-Schule besuchte dieses Jahr vom 3.10. – 24.10.2016 erneut die Schule Nummer 14 in Kiew und ist damit immer noch die einzige Schule Deutschlands, die einen aktiven Schüleraustausch mit der Ukraine hat. Die SchülerInnen der Schule Nr. 14 erlernen seit der ersten Klasse die deutsche Sprache und erwerben am Ende ihrer Schulzeit deutsche Sprachdiplome im Bereich B2/C1, mit welchen sie dann in Deutschland studieren können.

Nach dem Besuch der Kiewer im Mai 2016 konnten wir es alle kaum noch erwarten, unsere Freunde wiederzusehen. Aufgeregt und voller Vorfreude trafen wir uns am 3.10. morgens am Pinneberger Bahnhof. Obwohl sich die Gruppe seit der Abreise der Kiewer nicht mehr getroffen hatte, war es so, als hätten wir uns alle erst kürzlich gesehen. Zusammen fuhren wir mit der Bahn zum Flughafen. In Kiew gelandet und das Gepäck zusammengesucht, gingen wir in Richtung  Ankunftshalle. Schon durch die Türen konnten wir die SchülerInnen und Lehrer der Schule Nr. 14 entdecken und wurden kurz darauf mit Applaus und großer Herzlichkeit empfangen. Vom Flughafen aus ging es dann mit Bus, Bahn, einem Taxi oder dem eigenen Auto der Familie in unser Zuhause für die nächsten elf Tage. Den restlichen Tag verbrachte jeder für sich in den Familien. Einige lernten ihre Familie erst kennen, andere kannten sich schon aus den letzten Jahren und tauschten die Neuigkeiten aus. Die Verständigung mit den Familienmitgliedern lief hauptsächlich über die Kiewer SchülerInnen, die gerne und selbstverständlich dolmetschten. Einige Familienmitglieder können aber auch Englisch sprechen.

Unser Thema für die Projektarbeit war in diesem Jahr „Kann Sport ein Anstoß zum Frieden sein?“. Deshalb gingen wir auch gleich am Dienstag nach dem Kennenlernen der Schule und der offiziellen Begrüßung in das große Stadion in Kiew. Den restlichen Tag verbrachte jeder in seiner Familie. Auch der Mittwoch begann wieder im Sinne des Sports. Wir bekamen eine Einführung in unsere Projektarbeit durch einen Vortrag einer neunten Klasse. Unsere Aufgabe war es, einige Sportarten am Abschlussabend auf verschiedene Weise vorzustellen. Etwas später brachen wir dann zu einer Stadtführung auf: Angefangen bei der Sophienkathedrale, vorbei an vielen tollen Wandmalereien und anderen Sehenswürdigkeiten bis zum Maidan.

Am Donnerstag arbeiteten wir an unserem Projekt. Abends gingen wir alle zusammen ins Kiewer Opernhaus und sahen uns „Le Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart als Ballett an. Den Freitag verbrachten wir größtenteils im Bus, da wir zu einem Park fuhren, der außerhalb Kiews lag. Mit dem Bus zusammen holte uns die Reiseleiterin ab, die wir schon aus dem letzten Jahr kannten. Als wir durch Kiew fuhren bekamen wir von unserer Reiseleiterin, „der lustigen Natascha“, erklärt, was wir links und rechts sehen konnten. Der Park gefiel uns allen überwiegend gut, allerdings trübte unsere Laune die schlechte Tierhaltung vor Ort. Die Rückfahrt stellte sich als ein echtes Highlight heraus. Gemeinsam sangen wir, so gut wir konnten, ukrainische Volkslieder. Die Texte und Melodien werden uns wohl für immer in Erinnerung bleiben. Die Programmgestaltung des Wochenendes war jeder Familie selbst überlassen. Doch trafen sich fast alle Jugendlichen am Samstag bei einer Schülerinn, deren Familie eingeladen hatte und ein großes Haus inklusive Pool und Sauna besitzt. Dieses entspricht natürlich nicht dem typischen Wohnen in Kiew.

Viele von uns hatten schon einmal etwas von der nuklearen Katastrophe 1986 in Tschernobyl gehört. Aber was eigentlich genau geschehen war, war nur den wenigsten bekannt. Doch nach unserem Besuch am Montag im Tschernobylmuseum waren alle Unklarheiten beseitigt. Sehr anschaulich, verständlich und interessant wurden uns in einer Führung die wichtigsten Informationen mit auf den Weg gegeben. Die Zeit am späten Nachmittag wurde dann zum Bowlen genutzt. Am Dienstag besichtigten wir Babyn Jar (das ist der Schauplatz des größten einzelnen Massakers an Juden im Zweiten Weltkrieg) und bekamen dort eine Führung. Die Schlucht, wie es sie früher einmal gab, wurde zwar durch einen Erdrutsch zugeschüttet, doch befindet sich auf einem Teil der damaligen Fläche heute ein Park mit verschiedenen Denkmälern. Die deutschen Schüler legten am Denkmal für die getöteten Kinder und am Denkmal für die Juden Blumen nieder. Aufgrund des 75. Gedenken gab es in diesem Park eine Ausstellung, die gerade im Abbau war. Glücklicherweise konnten wir trotzdem noch einen Teil von ihr sehen.

Am Mittwoch besuchten wir eine große Bäckerei und sahen uns die Herstellung des Brotes an. Der Donnerstag stand dann ganz im Sinne des Abschiedsabends. Vormittags trafen alle die letzten Vorbereitungen und gingen schnell noch einmal durch, was sie im Laufe dieser Woche erarbeitet hatten. Abends trafen sich dann SchülerInnen, Familien, LehrerInnen und Vertreter der deutschen Botschaft in der Schule. Nach etlichen Reden waren wir dann an der Reihe, unsere Projekte vorzustellen. Einige Gruppen stellten ihr Sportarten anhand eines Vortrages vor, andere hingegen ließen es sich nicht nehmen, diese auf der Bühne selber zu präsentieren. Am nächsten Morgen versammelten wir uns am Flughafen und mussten wieder zurückfliegen. Alle wären gern länger geblieben.

Erwähnenswert sind noch unsere außergewöhnlichen Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort. Dort gibt es nicht wie bei uns Bus, Bahn und evtl. noch eine Straßenbahn, für die man sich eine Fahrkarte im Internet oder am Automaten kauft. Die Fahrkarten werden (bis auf bei der Metro) im Verkehrsmittel bei einer Person, die einzig dafür angestellt ist, gekauft. Sobald es voller wird, wird das Geld zu dieser Person durch und das evtl. Wechselgeld auch wieder zurück gereicht.

Ein Höhepunkt für unsere Lehrer war der Empfang in der deutschen Botschaft, zu dem sie eingeladen waren. Hier ergaben sich viele Interessante Gespräche.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei der Stiftung „West – Östliche Begegnung“ und bei dem pädagogischen Austauschdienst bedanken, die uns schon seit vielen Jahren finanziell unterstützen.

Es ist sehr schade, dass wir nun wieder in Deutschland sind. Denn zum einen haben wir eine andere und spannende Kultur kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und tolle Erfahrungen gemacht. Und zum anderen ist jeder von uns sehr herzlich in seiner Gastfamilie aufgenommen worden. Die vielen verschiedenen kulinarischen Köstlichkeiten des Landes, die alle in ihren Familien zahlreich probieren durften, sind uns ganz besonders positiv im Gedächtnis geblieben. Wir freuen uns, dass der Austausch für 2017 so viele Anmeldungen erhalten hat wie schon lange nicht mehr und können nur jedem empfehlen. die Chance, eine so unglaublich beeindruckende Erfahrung machen zu können, zu nutzen.

Ganz herzlich möchten wir SchülerInnen uns bei Frau Ramünke und Herrn Jensen bedanken, ohne deren Engagement so etwas nicht möglich wäre. Wir hatten alle eine tolle Zeit!

 

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